Presse-
mitteilung
 
20.07.2007
Voith Turbo:

Stahlboom hat den Subkontinent erreicht


Kommt der rasante Aufschwung, der China seit Jahren beflügelt, nun nach Indien? Das Land belegt mit rund neun Prozent jährlichem Wirtschaftswachstum im internationalen Vergleich einen der ersten Plätze. Ein wichtiger Indikator für jenes Wachstum ist der Stahlbedarf, und der steigt auf dem Subkontinent seit drei Jahren kräftig an. Börsianer und Unternehmen sehen sogar Anzeichen für einen Stahlboom in dem Schwellenland. Die steigende Nachfrage nach hochwertigem Stahl erfordert massive Investitionen und verbesserte Fertigungseinrichtungen für die Stahlproduktion. Vor diesem Hintergrund liefert Voith Turbo an den indischen Stahlproduzenten Jindal Steel & Power Ltd. in Angul bis September 2008 zwei Gelenkwellen der kombinierten Baureihe H/CW sowie ein Drehmomentmesssystem. Die Gelenkwellen zählen zu den stärksten und größten, die Voith Turbo derzeit baut - sie werden in einem neuen Grobblechgerüst von Siemens VAI England zum Einsatz kommen.

„Fast vierzig Jahre schlummerte der indische Stahlmarkt vor sich hin“, erklärt Guido Christ, Leiter Vertrieb im Produktbereich Gelenkwellen bei Voith Turbo. Das hat sich grundlegend geändert: „Seit drei Jahren steigt der Pro-Kopf-Bedarf an Stahl stetig an, und das wirkt sich auch auf die Nachfrage von Gelenkwellen für die Stahlproduktion aus.“ Nach einem Wachstum von siebeneinhalb Prozent betrug die Stahlkapazität im vergangenen Jahr rund 44 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: in China liegt die Kapazität zehnmal so hoch. Das lässt auf einen spürbaren Nachholbedarf in Indien schließen, zumal der Stahlbedarf immer auch Gradmesser für die Industrialisierung ist.

Wirtschaftsforscher nehmen an, dass die indische Rohstahlproduktion weiterhin jährlich um etwa sechs Prozent wächst, bis auf 68 Millionen Tonnen im Jahr 2015. Gleichzeitig soll sich die Exportquote nach den Vorstellungen des indischen Stahlministeriums in den nächsten 15 Jahren von 15 auf 24 Prozent erhöhen. Gute Wirtschaftsbeziehungen mit Indien haben dazu geführt, dass Deutschland bei den Einfuhren nach Indien an vierter Stelle liegt. Dabei stammt ein Drittel aller Güter aus den Branchen Maschinenbau und Elektrotechnik.

Ob für die Automobilindustrie, für Gebäude oder Pipelines - immer größere Mengen hochwertigen Stahls, der zäher und fester ist, werden benötigt. Und das wirkt sich auf die Hütten- und Walzwerkstechnik aus. Neue, hoch überlastbare Elektromotoren von 10.000 kW und kleinere Walzendurchmesser führen am Grobblechgerüst zu hohen Dauerbelastungen von über 6000 kNm. Genau dafür sind die beiden, jeweils 60 Tonnen schweren Voith Turbo-Gelenkwellen der Baureihe H, die Voith an Jindal Steel & Power liefert, ausgelegt. Sie treiben die Arbeitswalzen mit einem Walzendurchmesser von 1100 Millimeter im neuen Grobblechgerüst von Siemens VAI an. Darin werden die Brammen zu Blechen bis zu 200 Millimeter Dicke gewalzt. Das Grobblechgerüst in Angul ist für eine maximale Brammenbreite von fünf Metern ausgelegt - der derzeit üblichen Breite. Rund 1,5 Millionen Tonnen Stahl durchlaufen jährlich ein Gerüst, wobei die Brammen immer größer werden und immer größere Anlagen erfordern.

Die Bleche müssen absolut gleichmäßig sein. Deshalb sind die Arbeitswalzen axial verschiebbar angeordnet. Die neuen Gelenkwellen, die nächstes Jahr nach Indien geliefert werden, zeichnen sich durch eine verbesserte Lagereinbettung und dadurch längere Lebensdauer aus. Eine dem Kraftfluss optimal angepasste Flanschgeometrie und verstärkte Zapfenkreuze erhöhen die Drehmomentkapazität. Zur Übertragung höchster Drehmomente ist die Lagerbohrung bei allen Voith Gelenkwellen fugenlos gestaltet. Die Gelenkwellen sorgen so für einen hohen Übertragungswirkungsgrad bei hoher Betriebssicherheit.

Ein Drehmomentmesssystem der Voith Turbo-Tochter ACIDA (Aachen), das bei Jindal Steel & Power ebenfalls eingebaut wird, sorgt für eine ständige Funktionsüberwachung der Gelenkwellen. Die gemessenen Belastungswerte lassen Prognosen über die Lebensdauer der Anlage zu. Zudem kann der Betreiber seinen Walzprozess überwachen und optimieren. Ausschlaggebend für die Erteilung des Auftrags war unter anderem der Vor-Ort-Service, den Voith Turbo mit seiner Werkstatt in Hyderabad anbietet. Im jüngst erweiterten Werk übernimmt Voith Turbo die Wartung und Dienstleistung für alle verkauften Voith Turbo-Produkte in Indien. Als Marktführer für Schwerst-Gelenkwellen baut Voith seinen Marktanteil in Indien weiter aus.

Die Unternehmen der indischen Jindal Gruppe sind seit fünf Jahren ein wichtiger Kunde von Voith. Mit zwölf Werken in Indien und zwei Werken in den USA ist Jindal einer der größten Stahlproduzenten Indiens. Das Unternehmen JSPL hat seinen Hauptsitz im Staat Chhattisgarh im Osten Indiens, der zu den jungen indischen Bundesstaaten gehört, die erst vor zehn Jahren gegründet wurden. Dort ist JSPL der größte Investor im Privatsektor. Das neue Grobblechgerüst wird im Stahlwerk in Angul, im Nachbarstaat Orissa errichtet. Bis zum Jahr 2008 plant JSPL die Zunahme der Rohstahlkapazität um drei Millionen Tonnen.

Voith Turbo, der Spezialist für hydrodynamische Antriebs-, Kupplungs- und Bremssysteme für den Einsatz auf der Straße, der Schiene, in der Industrie und für Schiffsantriebe, ist ein Konzernbereich der Voith AG.

Voith setzt Maßstäbe in den Märkten Papier, Energie, Mobilität und Service. Gegründet 1867 ist Voith heute mit 34 000 Mitarbeitern, 3,7 Mrd. € Umsatz und weltweit über 250 Standorten eines der großen Familienunternehmen Europas. Voith ist offizieller Partner der Initiative „Deutschland - Land der Ideen“.




Das neue Grobblechgerüst von Siemens VAI England geht an den indischen Stahlproduzenten Jindal Steel & Power Ltd. Zur Ausstattung gehören zwei Voith-Hochleistungs-Gelenkwellen der Baureihe H/CW sowie ein Drehmomentmesssystem. 
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