Presse-
mitteilung
 
23.04.2008
Voith Turbo: Gespräch mit Norbert Stiehle und Harry Weingartner von der Friedrich Kocks GmbH & Co. KG in Hilden über Hirth Verzahnungen von Voith Turbo und Herausforderungen beim Walzwerksbau.

"Voith ist ein Partner, der neugierig ist."


Herr Weingartner, Gratulation: In Deutschland wurde im vergangenen Jahr mit einer Rohstahlproduktion von 47,2 Millionen Tonnen der höchste Wert seit der Wiedervereinigung erreicht. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschafts-forschung (RWI) in Essen geht davon aus, dass auch 2007 und 2008 gute Jahre für die deutschen Stahlproduzenten werden. Die Weltstahl-produktion soll laut RWI Essen 2008 um 4,6% zunehmen. Das bedeutet gefüllte Auftragsbücher für die Friedrich Kocks GmbH & Co. KG. Müssen Sie Sonderschichten fahren?

Harry Weingartner: Der Bedarf an Qualitätsstählen ist gestiegen. Der Markt hat sich gewandelt. Rohrwerkausrüstungen werden wieder aufgegriffen. Aber trotz des aktuellen Booms muss man ständig an sich arbeiten, zudem als Anlagenbauer vom Kunden akzeptiert sein und mit der Philosophie überzeugen.

Welche Philosophie verfolgt das Unternehmen KOCKS?

Harry Weingartner: Wir liefern Qualität und Technik. 15% unseres Umsatzes fließen in Neuentwicklungen.

Sie werden als Rolls Royce in einem Nischengeschäft beschrieben. Was zeichnet das Unternehmen aus?

Norbert Stiehle: Die geringen Toleranzen, die Genauigkeit an den Achsen und das Know-how in den Vorstraßen, die wir für ein perfektes Rund in den Prozess mit einbeziehen. Wir haben uns zu einem Systemlieferanten entwickelt, der von der Software im eigenen Haus über die Berechnung des Blocks bis zum Netzwerk mit der Werkstatt alles anbieten kann. Schnelle Gerüstwechsel sind ein Markenzeichen für Kocks.

Was bedeutet "free-size rolling"?

Harry Weingartner: Das ist stufenloses Walzen bei engsten Toleranzen. Unsere Walzen schaffen auch kurzfristig jede Fertigabmessung während des Walzzyklus und sind bei niedrigen Temperaturen einsetzbar.

Pro Anlage arbeiten Sie mit 200 Unterlieferanten zusammen. Nach welchen Kriterien suchen Sie sich Ihre Partner aus?

Norbert Stiehle: Wir suchen neben verbindlichen Lieferterminen eine Kontinuität sowie kompetente Ansprechpartner. Bei Voith haben wir gespürt: die kommen aus der Konstruktion.

Sie haben vor zehn Jahren erstmals Sicherheitskupplungen von Voith eingesetzt. Heute verwenden Sie Hirth Verzahnung. Wie sind Sie auf Voith aufmerksam geworden?

Harry Weingartner: Wir suchten damals für ein neues 650er-Gerüst eine Lösung. Anfangs wusste Voith nichts mit uns anzufangen. Wir hatten aber auch keine Vorstellung, wer Voith ist. Die Kontakte intensivierten sich und wir fuhren nach Heidenheim, um zu sehen, wer Voith überhaupt ist.

Hat sich das in der Zwischenzeit geändert?

Dietrich Bernt, Voith Turbo: Die Firma Kocks war Voith gegenüber anfangs vorsichtig, weil sie uns nicht kannten.

Harry Weingartner: Das änderte sich aber schnell. Für unsere Neuentwicklung, 500er Rohgerüste, brauchten wir für die Antriebswellen Hirth Verzahnungen. In kürzester Zeit bekamen wir von Voith Berechnungen, die unsere Konstruktionsphase optimierte. Da merkten wir, das Voith keine Laienspielschar ist. Positiv ist auch, dass uns kein Handelshaus dazwischen geschaltet ist.

Wenn wir schon bei Automarken sind: Voith gilt als Mercedes unter den Herstellern der Hirth Verzahnung. Könnten Sie auch mit kleinen Automobilen glücklich sein?

Norbert Stiehle: Für uns ist die Produktionssicherheit und Qualität entscheidend – die besitzt ein großes Unternehmen wie Voith.

Harry Weingartner: Bei Ausführung, Qualität und Genauigkeit in Gerüsten sieht man die Erfahrung von Voith. Voith hat uns gesagt, wie man misst.

Wo liegen die größten Herausforderungen beim Bau einer Anlage?

Harry Weingartner: Die liegen in der Arbeitsvorbereitung, beim Vormaterial und der unterschiedlichen Qualität der Fertiger. Heute reichen Zeichnungen allein in einem Prozess nicht mehr aus. Wir suchen Partner, die gelernt haben, sich an der Konstruktion zu beteiligen. Systemlieferanten, wie Voith einer ist. Lassen Sie uns das Beispiel Ersatzteile nehmen: Für das Prüfen von Normringen hat Voith die Notwendigkeit gesehen, Vorrichtungen zu bauen. Das war für uns etwas ganz Neues.

Norbert Stiehle: Voith ist ein Partner, der neugierig und als Maschinen- und Anlagenbauer immer auf der Suche nach Anwendungen ist.

Wo sehen Sie die Zukunft des Walzenbaus?

Norbert Stiehle: Die Zukunft liegt beim Querwalzprozess.

Harry Weingartner: Dort werden wir an entscheidender Stelle Sicherheitskupplungen und Hirth Verzahnungen von Voith Turbo einbauen – und auf das Know-how von Voith setzen.

Am Gespräch nahmen teil: Norbert Stiehle, Section Manager Design & Engineering (KOCKS); Harry Weingartner, Entwicklung (KOCKS); Dieter Bernt, Technischer Verkaufsleiter Voith Hirth Verzahnung (Voith Turbo).

Voith Turbo

Voith Turbo, der Spezialist für hydrodynamische Antriebs-, Kupplungs- und Bremssysteme für den Einsatz auf der Straße, der Schiene, in der Industrie und für Schiffsantriebe, ist ein Konzernbereich der Voith AG.

Voith setzt Maßstäbe in den Märkten Papier, Energie, Mobilität und Service. Gegründet 1867 ist Voith heute mit 37 000 Mitarbeitern, 4 Mrd. € Umsatz und weltweit über 270 Standorten eines der großen Familienunternehmen Europas.

Voith ist offizieller Partner der Initiative „Deutschland - Land der Ideen“.

FRIEDRICH KOCKS GmbH & Co KG

Das unabhängige mittelständische Unternehmen ist seit mehr als 50 Jahren weltweit im Walzwerksbau (Rohr, Draht und Stab) tätig und zu 100 % in Familienbesitz. Stammsitz ist Hilden, im Städtedreieck Düsseldorf, Köln und Wuppertal. Das Unternehmen gründete Dr.-Ing., Dr.-Ing. e.h. Friedrich Heinrich Kocks. Das Unternehmen beschäftigt 120 Mitarbeiter. Es besitzt Standorte in Hilden, Bremen und Pittsburgh, USA.

Im Jahr 1950 wurde das erste von KOCKS entwickelte Streckreduzierwalzwerk (SRW) für nahtlose oder geschweißte Rohre gebaut. Mit bis zu 32 Gerüstplätzen und minimalem Gerüstabstand ermöglicht es dem Betreiber äußerst wirtschaftlich zu produzieren. Die Optimierung für die Walzung sowohl nahtloser als auch geschweißter Rohre wurde bis heute stetig vorangetrieben.

Ein Ergebnis dieser Innovation ist der 3-Walzen Streck-Reduzier-Block mit einzeln angetriebenen Walzen. Im Jahr 1954 wurde mit der Entwicklung von 3-Walzen Blöcken zur Produktion von Draht und Stäben begonnen.?? Diese ebenfalls sehr kompakten Blöcke erlauben ein drallfreies Walzen – auch Kaltwalzen – von Qualitätsstählen, Sondergüten, Superlegierungen, gesinterten Materialien sowie NE-Metallen und deren Legierungen. Der Reduzier- & Sizingblock [RSB] mit „C-Modul“-Antrieb ist die aktuellste Stufe in der langen Reihe von Innovationen bei der Entwicklung von 3-Walzen Blöcken im Hause KOCKS. Bisher wurden mehr als 180 KOCKS 3-Walzen Blöcke mit über 7000 Gerüsten zur Produktion von Rohr und Draht / Stab weltweit geliefert.



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